COMEDY: Mit dem Publikum auf Berufsfindungstrip

Georg Weisfeld im Kulturkonsum

ORANIENBURG - Ersatz muss nicht gleichbedeutend sein mit „weniger gut“, das bewies der Berliner Comedy-Schauspieler Georg Weisfeld am Freitagabend im Oranienburger Kulturkonsum. Er sprang für das angekündigte Kabarett-Duo „Dietrich und Raab“ ein und bescherte den etwa 50 Besuchern zwei Stunden köstlicher Unterhaltung auf der letzten diesjährigen Veranstaltung an diesem Ort.

Georg Weisfeld betrat den Raum mit unschuldsvoller Miene. Wenn da nicht die Frisur gewesen wäre: aufgeplusterte und in alle Himmelsrichtungen abstehende Locken. Diese Frisur sei die Folge der Trennung von seiner Freundin. Was ihn nun zwinge, seine Miete selbst zu zahlen. Das wiederum verringere sein Budget und damit das Geld zum Haareschneiden, erklärte der Comedian seinen Zuhörern. Um sodann von seinen Versuchen, beruflich durchzustarten zu erzählen.

Mit wie viel positiver Energie er dieses Ziel bei seinen wiederholten Besuchen auf dem Arbeitsamt verfolge, das wolle er den Zuschauern gerne demonstrieren. Er nenne sein Soloprogramm „Weisfeld macht blau“. Er tat's mit Schwung, mit treffsicheren Pointen, in einer Mischung aus kindlicher Naivität und wie unbeabsichtigt wirkendender Provokationen.

Wenn man ganz nach oben kommen wolle, dürfe man sich als Berufsfinder durch Rückschläge nicht beeinträchtigen lassen, versicherte der Mann auf der Bühne. Wie etwa bei seinem unsanft endenden Versuch, eine Lufthansa-Maschine steuern zu wollen. Aber auch die bodenständigen Karriere-Versuche scheiterten. Etwa als Transporteur von Gummibärchen, die sich als Termiten entpuppten, oder als Tournee-Tagebuchschreiber bei einer Volksmusikgruppe, deren Mitglieder sich entgegen ihrer Texte mehr und mehr als menschliche Nieten erwiesen. Da war sein mutiger Auftritt vor einer Hinterhofgang aus Schulverweigerern schon eher von Erfolg gekrönt. Auch wenn er bei seiner zunächst hinreißenden Breakdance-Vorführung plötzlich in klassische Ballettschritte zu „Schwanensee“ wechseln musste.

Zu guten Berufschancen könnte ihm aber vielleicht sein grandioser Einsatz als Fernseh-Berichterstatter bei der Deutschen Meisterschaft im Kreuzworträtselraten verhelfen. Das Publikum folgte dem kabarettistischen Vertreter mit Vergnügen. Weisfeld ist gebürtiger Bremer, der seit 1994 in Berlin lebt und eine Ausbildung in Pantomime machte, der er die Fächer Jonglieren, Zauberei, Tanz und Schauspiel zufügte.

Am Schluss dann die Nummer mit dem Kleiderbügel aus Draht. Durch diesen würde er sich hindurchzwängen. Was natürlich keiner der Oranienburger glauben mochte. Aber ein Georg Weisfeld gibt nicht auf. Mit artistischer Geschmeidigkeit schiebt er sich Stück für Stück vor, verharrt sekundenlang in grotesken Posen. Zwängt sich unter dem Gelächter der Besucher wieder einige Zentimeter weiter, hat es nach minutenlanger Kraftanstrengung schließlich geschafft und steht als Phönix der besonderen Art wieder da. Dafür erntete er die begeisterte Anerkennung des Publikums. (Von Rotraud Wieland)

javascript:openpopup_3c1a('http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11390604/61129/Georg-Weisfeld-im-Kulturkonsum-Mit-dem-Publikum-auf.html')